Quel­len der Hoff­nung — Fluss der Zeit

 

Vom 24. Mai bis Ende August laden die katholische Pfarrei Frick und der Verschönerungsverein Frick zu einem besonderen Rundgang durchs Dorf ein.

Unter dem Titel «Quellen der Hoffnung – Fluss der Zeit» werden 14 Brunnen und Orte in Frick zu Stationen eines Weges, der zum Entdecken, Innehalten und Weiterdenken einlädt. Jeder Brunnen nimmt ein eigenes Thema auf: Gemeinschaft, Ordnung, Stille, Gesundheit, Schöpfung, Neugier, Innovation, Freude, Begegnung, Frieden, Schutz und Geborgenheit, Weitsicht, Durst und Offenheit.

Brunnen sind mehr als Orte, an denen Wasser fliesst. Sie erzählen von Leben, Begegnung und Geschichte. Sie erinnern daran, dass Menschen seit jeher Quellen suchen: Wasserquellen, Kraftquellen, Hoffnungsquellen. Gleichzeitig stehen sie mitten im Dorf — dort, wo Alltag geschieht, wo Wege sich kreuzen und Menschen einander begegnen.

Der Brunnenweg verbindet diese vertrauten Orte mit kurzen Impulsen, farbigen Gestaltungen und geschichtlichen Hintergründen. So entsteht ein Weg, der die Fricker Brunnen neu sichtbar macht und zugleich nach den Quellen fragt, aus denen wir leben.

Die Brunnen sind nummeriert, können aber in beliebiger Reihenfolge besucht werden. Wer den ganzen Rundgang machen möchte, sollte eine gute Stunde einplanen. Einzelne Stationen können auch unabhängig voneinander entdeckt werden.

Klicken Sie auf der Karte auf einen Brunnen, um mehr über die jeweilige Station, das Thema und den Ort zu erfahren.

Brun­nen 6 – Neugier

Lernen im Fluss der Zeit – Zur Geschichte der Schule in Frick

Die Station «Neugier» führt zur Primarschule Frick. Hier ist Lernen bis heute ganz konkret erlebbar: auf dem Pausenplatz, in den Klassenzimmern, im Kommen und Gehen der Kinder. Zugleich erzählt dieser Ort viel über die Geschichte der Bildung in Frick.

Schule gibt es in Frick schon seit langer Zeit. Bereits vor 1650 wird mit Adam Guodtman ein erster «Schuoll-Meister» erwähnt. Damals war Unterricht noch eng mit Kirche und Gemeinde verbunden. Lesen, Schreiben, Rechnen und religiöse Unterweisung gehörten zu den wichtigsten Grundlagen. Bildung war nicht einfach selbstverständlich, sondern entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer öffentlichen Aufgabe.

Ein wichtiges Zeugnis dieser Entwicklung ist das Alte Schulhaus beim Rampart auf dem Kirchhügel. Es wurde 1812 an der Stelle eines früheren Schulhauses errichtet und gehört zu den ältesten erhaltenen Schulhäusern im Kanton Aargau. Die Inschrift über dem Eingang spricht vom Unterricht in «Wissenschaft und Tugend». Darin zeigt sich ein Bildungsverständnis, das Wissen und Lebenshaltung miteinander verband.

Auch am heutigen Schulstandort lässt sich Schulgeschichte ablesen. Auf der Schulanlage Dorf stehen mehrere Gebäude, die verschiedene Etappen der Fricker Schulgeschichte sichtbar machen: das Schulhaus 1912, das Schulhaus 1925, das Schulhaus 1957 und die Turnhalle. Das Schulhaus 1912 ist dabei der älteste Bau auf dem heutigen Areal. So wird der Schulplatz selbst zu einem kleinen Geschichtsbuch: Jede Erweiterung erzählt davon, dass Bildung in Frick mehr Raum brauchte, weil die Gemeinde wuchs und sich die Schule weiterentwickelte.

Für Frick war auch die Eröffnung der Bezirksschule Frick im Jahr 1866 ein wichtiger Schritt. Damit wurde der Ort zu einem regionalen Schulstandort. Nun kamen auch Jugendliche aus der Umgebung nach Frick, um hier weiterführende Bildung zu erhalten. Bis heute hat Frick diese Bedeutung behalten: Aus einzelnen Schulstuben wurden Schulhäuser, Schulzentren, Turnhallen und vielfältige Lernorte.

Besonders ist an dieser Station auch der Brunnen. Der Franziskusbrunnen wurde 1965 vom Künstler Paul Agustoni aus Möhlin geschaffen und gemeinsam mit Primar- und Sekundarschülerinnen und -schülern eingeweiht. Auf ihm ist der heilige Franz von Assisi dargestellt. Franziskus gehört zu den prägenden Gestalten der Kirchengeschichte. Er war ein Suchender: einer, der nach dem Wesentlichen fragte, vertraute Sicherheiten verliess und die Welt mit neuen Augen sah.

Darum passt Franziskus gut zum Thema Neugier. Neugier meint hier nicht nur Wissensdurst. Sie meint die Offenheit, sich berühren und verändern zu lassen. Franziskus fragte nach Gott, nach den Menschen, nach der Schöpfung und nach einem anderen Leben. Auch Bildung beginnt mit solchen Fragen. Sie öffnet Türen, lässt uns Zusammenhänge entdecken und Bekanntes neu sehen.

So verbindet diese Station zwei Geschichten: die Geschichte der Schule in Frick und die Gestalt des heiligen Franziskus. Beide erinnern daran, dass Lernen mehr ist als Unterrichtsstoff. Lernen heisst fragen, staunen, zweifeln, entdecken und wachsen. Bildung fliesst wie Wasser von Generation zu Generation weiter — manchmal ruhig, manchmal kraftvoll, manchmal in neuen Bahnen. Und oft beginnt alles mit einer einfachen Frage.

Brun­nen 7 — Innovation

Müllerhof

Der Brunnen auf dem Areal des Müllerhofes trägt zwar die Jahreszahl 1848, erhielt seinen Platz in Frick aber erst im Zusammenhang mit dem Umbau des Bauernhauses an der Schulstrasse zum «Müllerhof». Er wurde als 11. öffentlicher Brunnen der Gemeinde am 19. September 1984 eingeweiht.

Der Müllerhof wurde 1836 erbaut und ist im Bauinventar des Kantons Aargau verzeichnet. Ursprünglich war das Gebäude unter dem Namen „Bläsi-Haus“ bekannt und diente als bäuerlicher Vielzweckbau mit Wohnteil, Stall und Tenn unter einem Dach. Damit gehört es zu den Zeugen der Zeit, als Frick noch stark landwirtschaftlich geprägt war. Charakteristische Merkmale des spätklassizistisch-biedermeierlichen Baus sind bis heute erhalten, darunter die symmetrische Fensteranordnung, das korbbogige Tennportal und Öffnungen an der Heubühnenwand.

In den Jahren 1983/84 wurde das Haus nach Plänen des Architekten Theo Meyer zum Personalhaus der benachbarten Jakob Müller AG umgebaut. Dabei wurde das Innere neu  organisiert und die Strassenfassade verändert. Erst seit diesem Umbau trägt das Gebäude den Namen „Müllerhof“. Es ist nicht nur ein Restaurant, sondern kombiniert Selbstbedienungsrestaurant, Hotel und Seminar-/Eventräume an einem Ort.

Brun­nen 8 — Freude

Der Brunnen vor dem Haus – Ein stiller Zeuge der Fricker Industriegeschichte

Er steht da, wie er schon immer gestanden hat: ruhig, beständig, ein wenig übersehen. Wer heute an der Schulstrasse in Frick an ihm vorbeigeht, denkt vielleicht kaum daran, was dieser Brunnen alles gesehen hat. Dabei verrät schon ein einziger Blick auf die ins Stein gemeisselte Jahreszahl – 1938 – dass hier Zeitgeschichte in Beton gegossen wurde. Nicht im übertragenen Sinne. Ganz wörtlich.

Der Brunnen ist ein Kind seiner Zeit. 1938 war kein einfaches Jahr: Europa stand am Rand des Abgrunds, die politischen Wolken zogen sich zusammen, und auch in der Schweiz spürte man die Unruhe der Zeit. Und doch liess die Firma Jakob Müller AG an der Schulstrasse diesen schlichten, soliden Wandbrunnen errichten – direkt an die Hausfassade gemauert, mit einem rechteckigen Steintrog und einem einfachen Metallhahn, aus dem bis heute unaufhörlich Wasser rinnt. Kein Schnickschnack, keine Verzierungen, keine verspielte Brunnensäule. Nur das Wesentliche. Eine Haltung, die man auch von den Müllers kannte.

Denn diese Geschichte begann fast fünfzig Jahre früher, 1887, als ein gewisser Jakob Müller aus Langenbruck ins Dorf zog. Er war Webstuhlschreiner von Beruf und hatte eine Idee im Gepäck, die grösser war als sein Werkzeugkoffer. An der Einmündung der Mühlegasse in die Hauptstrasse richtete er seine erste bescheidene Werkstatt ein. Wenige Jahre später erwarb er das 1848 von Josef Schmid erbaute Haus an der Verzweigung Schulstrasse/Geissgasse – heute Schulstrasse 9 – als neuen Standort des wachsenden Betriebs. Damals floss das Wasser noch aus einem anderen Brunnen. Der hier sollte erst später kommen.

1916 bezog die Firma ihr erstes eigentliches Fabrikgebäude an der Schulstrasse. Was als Handwerksbetrieb begonnen hatte, war nun eine richtige Fabrik. Maschinen ratterten, Arbeiter kamen und gingen, der Geruch von Öl und Metall verdrängte den von frisch gehobeltem Holz. Und 1938, während Europa den Atem anhielt, wurde der Brunnen gebaut. Warum gerade damals? Vielleicht weil man in unsicheren Zeiten das Bleibende sucht. Vielleicht weil die Belegschaft einen Ort brauchte, um kurz innezuhalten. Oder vielleicht, weil Jakob Müller einfach fand, dass ein anständiger Betrieb einen anständigen Brunnen verdient.

Seither steht er da. Unerschütterlich. Die dunklen Wasserstreifen, die sich über den grauen Stein ziehen, sind keine Verwahrlosung – sie sind Biografie. Fast neunzig Jahre Wasser, fast neunzig Jahre Frick, fast neunzig Jahre Jakob Müller AG, in Stein geschrieben. Wer genau hinschaut, sieht in diesen Spuren die Zeit selbst fliessen.

Und was für eine Zeit das war. Drei Jakob-Müller-Generationen haben die Firma Schritt für Schritt zum grössten Unternehmen der Gemeinde ausgebaut. Heute ist es die fünfte Generation der Familie, die das Unternehmen in die Zukunft führt – aus dem Webstuhlschreiner ist ein Weltkonzern für Bandwebtechnik geworden, dessen Maschinen in Textilfabriken rund um den Globus laufen. Und seit 2006 erinnert ein Museum im selben Gebäude an diesen bemerkenswerten Weg: von der Handwerksstube des 17. Jahrhunderts bis zur modernen Fertigungstechnik, betreut mit Herzblut von pensionierten Mitarbeitern, zugänglich nach Voranmeldung. Mehr Infos unter https://www.jakob-mueller-museum.ch/kontakt/.

Der Brunnen draussen braucht aber keine Voranmeldung. Er ist einfach da – bei Regen, bei Sonne, im Sommer und im Fricker Winter, wenn der Hahn gelegentlich friert und das Wasser kurz zögert, bevor es weiterläuft. Er steht auf einem Kopfsteinpflaster, das selbst schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat, flankiert von den weissen Fenstern der alten Fabrikfassade. Ein stilles Bild.

Vielleicht ist das seine eigentliche Botschaft. In einer Gemeinde, die sich vom Bauerndorf zur Industriegemeinde und weiter zum Standort eines globalen Technologieunternehmens gewandelt hat, verkörpert der Brunnen eine gewisse Kontinuität. Er erinnert daran, dass hinter jedem Weltkonzern irgendwann ein Mann mit einem Werkzeugkoffer stand – und dass manche Dinge einfach bleiben, während alles andere sich verändert. Der Hahn tropft. Das Wasser läuft. Die Jahreszahl 1938 schaut ungerührt auf das Kopfsteinpflaster hinunter.

Wer also das nächste Mal an der Schulstrasse vorbeikommt, der möge einen Moment zögern. Den Brunnen anschauen. Eine Hand ins kühle Wasser halten. Und kurz denken: Hier begann etwas. Hier floss nicht nur Wasser.

Brun­nen 9 — Begegnung

Meck à Frick 
Der Brunnen an der Geissgasse 17 vor dem «Meck» stand früher auf der gegenüberliegenden 
Strassenseite vor dem Haus von Rosa Fricker. Wegen der anstehenden Strassenkorrektur wurde 
seine Umplatzierung am 30. September 1948 von der Gemeindeversammlung beschlossen.

Das heutige MECK im Zentrum von Frick war einst ein typisches Bauernhaus aus Zeit
österreichischer Herrschaft. Das ist interessant, weil das Gebäude damit in eine Epoche vor dem 
Beitritt des Fricktals zum Kanton Aargau (1803) zurückreicht. Seit dem Umbau 1997/98 wird der
ehemalige Ökonomieteil von der Kulturvereinigung Urschrei für Konzerte, Theater, Lesungen und 
weitere Veranstaltungen genutzt.

Besonders schön ist die Entstehung des Namens: „Meck à Frick“ wurde an einem Wochenende 
der Kulturvereinigung Urschrei ausgewählt. Gesucht war ein prägnanter Name mit Bezug zur 
Geissgasse - daraus entstand das Wortspiel „Meck“.

Brun­nen 10 — Frieden

Geschichtliches zu den Gemeinden Frick und Gipf-Oberfrick

Quelle: Frick Gestern und Heute, Nr. 9

Das Fricktal war bis ins Jahr 1801 Teil der habsburgischen Monarchie. Die Herrschaft der Habsburger ging um das Jahr 1800 allmählich zu Ende. Es bestanden Kriege zwischen Frankreich und seinen alliierten Gegnern. Zu diesen gehörte auch Österreich. Die Bevölkerung im Fricktal litt unter der Anwesenheit der französischen Truppen.

Zurzeit der habsburgischen Herrschaft bestand die Vogtei Frick aus den Dörfern Frick, Gipf und Oberfrick. Frick war damals der wirtschaftliche und politische Mittelpunkt der Vogtei. Die drei Dörfer arbeiteten um die Mitte des 18. Jahrhunderts noch eng zusammen unter anderem auch im Marktwesen.

Obwohl die Vögte von den Bürgern gewählt wurden, waren Homburger Vögte der Vogtei Frick seit Jahrhunderten nur noch von einflussreichen Fricker Familien gestellt. Dies empfanden die beiden oberen Dörfer Gipf uns Oberfrick ungerecht. Denn in den beiden oberen Dörfern lebten zusammengezählt im Jahr 1800 zehn Personen mehr (749 Personen) als in Frick. Die beiden oberen Dörfer hatten bereits in den 1780er Jahren versucht, sich von Frick abzutrennen. Denn die Fricker gaben das gedroschene Stroh der Zehntengarben nicht den gipfer und oberfricker Bauern zurück, nachdem die Zehntengarben für den Zehntenherrn (Kommende Beuggen) in Frick gedroschen worden waren. Die beiden oberen Dörfern besassen seit 1708 eine Kapelle. Eine eigene Pfarrei, welche Voraussetzung gewesen wäre, um sich vom Fricker Zehntenherren zu lösen, konnten sie nicht gründen.

Im August 1803 gelangten die Gipfer und Oberfricker mit einem Gesuch an den Bezirksamtsvorsteher, um sich von Frick trennen zu dürfen. Erst am 20. August 1804 hatte der Regierungsrat des Kantons Aargau die neue Gemeinde Gipf-Oberfrick und deren 

Trennung von Niederfrick anerkannt.

In den folgenden Jahren gingen Auseinandersetzungen insbesondere über den Jahrmarktsgewinn, die Beteiligung an den Kriegsschulden und die Banngrenzen weiter. Unter anderem verzichtete Gipf-Oberfrick am 10. März 1806 auf ewige Zeiten auf den Jahrmarktsgewinn.

Die Zusammenarbeit wurde Ende des 20. Jahrhunderts zwischen den beiden Gemeinden wieder intensiver. Beispielsweise wurde 1994 die gemeinsame Führung des Betreibungsamtes, 1995 jene der Gemeindepolizei oder 1999 die gemeinsame Bauverwaltung vereinbart. Aus diese „Anfängen“ hat sich bis heute in verschiedenen Bereichen sogar eine regionale Zusammenarbeit entwickelt. Die früher einst umkämpften Gemeindegrenzen haben zunehmend an Bedeutung verloren. Die Nachbargemeinden Frick und Gipf-Oberfrick haben sich stand heute sozusagen zu einem geschlossen wirtschafts- und Lebensraum entwickelt.

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter & Paul

Quellen:

-Frick Gestern und Heute, Nr. 9

-300 Jahre Kirche Frick; Zeichen einer lebendigen Gemeinschaft von 1718 bis 2018

Gemäss archäologischen Untersuchungen wurde das erste Gotteshaus um das Jahr 800 gebaut, welche im Hochmittelalter durch einen grösseren Bau ersetzt wurde. Der Bau wurde ständig ergänzt. Während des 30jährigen Krieges soll die gotische Kirche zeitweise von schwedischen Soldaten als Unterkunft missbraucht worden sein. Sie erlitt grossen Schaden und war Ende des 17. Jahrhunderts ein grosses Flickwerk. Am 24. April 1718 wurde die heutige barocke Kirche St. Peter & Paul vom Weihbischof Johann Christoph Haus eingeweiht.

Erst im Jahr 1953 wurde Gipf-Oberfrick zu einer eigenen Pfarrei. Die Kirchgemeinde Frick/ Gipf-Oberfrick beschloss an Stelle der Kapelle in Gipf-Oberfrick den Bau der Kirche St. Wendelin, welche 1969eingeweiht wurde.

Das Glockengeläut gehört seit Jahrhunderten zur christlich-abendländischen Tradition. Es ruft heute unter anderem dazu auf, Gott zu loben, einen Gottesdienst zu besuchen, den Tod zu verkünden, Sonn- oder Feiertage einzuläuten oder Feste zu verkünden. Früher läuteten die Glocken bei einer Feuersbrunst, bei Sturm oder um Unheil zu bannen. Jede Glocke wird durch die Weihe in den Dienst Gottes und der Kirche gestellt.

Die sechs Glocken der Kirche St. Peter und Paul tragen die Namen Dreifaltigkeit (3010 kg), Christkönig (1911kg), Maria (1411 kg), Peter & Paul (983kg), Johannes (586kg) und Schultzengel (408kg). Sie wurden zwischen 1844 und 1974 in der Glockengiesserei Rüetschi in Aarau gegossen.

Das Geläut ertönt im pentatonischen Moll-Motiv, was in der Schweiz und in Deutschland im 20. Jahrhundert weit verbreitet war (Quelle:  https://www.srf.ch/radio-srf-musikwelle/glocken-der-heimat/glocken-der-heimat-frick-st-peter-und-paul).

Brun­nen 11 — Schutz und Geborgenheit

Unter dem Rampart – die Kirche als Ort des Schutzes

Der Brunnen dieser Station liegt unterhalb der katholischen Kirche St. Peter und Paul. Wer hier steht, befindet sich am Fuss des Fricker Kirchhügels, der bis heute das Dorfbild prägt. Die Kirche liegt erhöht über dem Dorf und ist von vielen Orten aus sichtbar. Sie ist ein Orientierungspunkt — im wörtlichen und im übertragenen Sinn.

Der Kirchhügel wird in Frick auch Rampart genannt. Eine eindeutig belegte Erklärung für diesen Namen lässt sich nicht ohne Weiteres finden. Das Wort erinnert jedoch an einen Wall oder eine Schutzmauer. Diese Deutung passt gut zum Ort: Der Rampart liegt erhöht über dem Dorf und war über Jahrhunderte ein Zentrum kirchlichen und gemeinschaftlichen Lebens.

Die heutige katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde 1716 bis 1718 erbaut. Sie steht jedoch in einer viel älteren christlichen Tradition. Der Kirchhügel war über lange Zeit nicht nur Gottesdienstort, sondern auch Friedhof, Schulort, Treffpunkt und Erinnerungsort. Hier wurden Kinder getauft, Paare getraut, Verstorbene verabschiedet und die grossen Feste des Kirchenjahres gefeiert. Kirche war damit nicht nur ein Gebäude, sondern ein Ort, der das Leben der Menschen von der Geburt bis zum Tod begleitete.

Die Geschichte der Kirchen in Frick zeigt auch, wie eng Glauben, Dorfleben und regionale Entwicklung miteinander verbunden waren. Frick bildete früher mit Gipf-Oberfrick eine gemeinsame kirchliche und politische Einheit. Erst im frühen 19. Jahrhundert wurden die politischen Gemeinden getrennt; die gemeinsame römisch-katholische Kirchgemeinde Frick/Gipf-Oberfrick erinnert bis heute an diese ältere Verbindung. Auch kirchliche Feste und Prozessionen, etwa Fronleichnam, prägten über lange Zeit den Jahreslauf und führten Menschen aus den Dörfern zusammen.

Im Umfeld der Kirche befinden sich weitere Gebäude, die diese Bedeutung sichtbar machen: das Pfarrhaus, das alte Schulhaus, das Pfarreizentrum und das ehemalige Beinhaus, das heute als Aufbahrungsraum dient. Sie zeigen, dass der Kirchhügel mehr war als ein Ort für den Sonntagsgottesdienst. Er war ein Raum für Bildung, Seelsorge, Begegnung, Abschied und Gemeinschaft.

Zum Thema Schutz und Geborgenheit passt dieser Ort besonders gut. Kirchen konnten die Unsicherheiten des Lebens nie einfach aufheben. Aber sie boten Menschen einen Raum, in dem ihre Sorgen, ihre Dankbarkeit, ihre Trauer und ihre Hoffnung Platz hatten. Glocken, Rituale, Gebete und vertraute Feste gaben dem Leben einen Rhythmus. Sie halfen, Übergänge zu gestalten und sich in schwierigen Zeiten getragen zu wissen.

Der Brunnen steht nicht oben bei der Kirche, sondern auf dem Weg dorthin. Gerade das ist ein schönes Bild: Geborgenheit beginnt nicht erst hinter Kirchentüren. Sie kann schon unterwegs spürbar werden — im Blick hinauf zum Kirchhügel, in der Erinnerung an Menschen, die vor uns hier Halt gesucht haben, und im Vertrauen, dass es Orte gibt, die tragen.

So erzählt diese Station vom Rampart als einem Schutzraum im Dorf: nicht als Festung gegen die Welt, sondern als Ort, an dem Menschen seit Jahrhunderten mit ihrem Leben, ihren Fragen und ihrer Hoffnung aufgehoben sind.

Brun­nen 12 — Weitsicht

Baugeschichte der Bözbergbahn

Quellen:

-„FRICK - Gestern und Heute, 1986“

- „U. Ramseier - 150 Jahre Eisenbahn“

- Eigenes Wissen (Christian Scholer)

Schon 1836 – wenige Jahre nach der Erfindung der Eisenbahn – wurden in der Schweiz die ersten Bahnprojekte ausgearbeitet. So wurde Basel 1844 als erste Schweizerstadt mit der Bahn von Strasbourg her erschlossen.

Auch das Bahnfieber packte das Fricktal. So galt es die grossen Städte Zürich – Basel – Bern als Wirtschaftszentren zu verbinden. Basel strebte eine Bahn nach Olten- Luzern mit Abzweiger nach Zürich und Bern an, Zürich gab den Vorzug einer Verbindung nach Basel durch das aargauische Fricktal. Basel obsiegte in diesem Wettstreit. Der Nordbahngesellschaft gelang es schliesslich in den Jahren 1845 – 1847 die als „Spanischebrötlibahn“ in die Geschichte eingegangene erste ganz in der Schweiz liegende Bahnlinie zwischen Zürich und Baden zu verwirklichen.

Am 24. Wintermonat 1869 erhielt ein neues Bözbergkomitee vom Grossen Rat die Konzession für den Bahnbau ab Kantonsgrenze bei Kaiseraugst durch den Bözberg bis Brugg. Mit Vertrag vom 14. Februar 1870 verpflichteten sich die beteiligten Gesellschaften – es waren die Nordostbahn und Centralbahn – zum gemeinsamen Bau und Betrieb der Bözberglinie. Die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung des Fricktals war gegeben. Aber nicht alle begrüssten den Bau der Bahn. Verständlicherweise besonders die Fuhrleute. Ihnen fiel einen grossen Teil ihrer Aufträge und Einkünfte weg. Sperrfeuer gab es auch von einem Komitee, das den Ausbau der Staffelegg bevorzugte. Ganz anders die Idee einer Bahnverbindung von Frick aus über Wittnau zu den Gipsgruben in Kienberg.

Als die Finanzierung gesichert war, wurde der frühere Oberingenieur der Nordostbahn, Baurat A. Beckh, beauftragt Projektvarianten auszuarbeiten. Beim Entscheid waren verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, unter anderem, dass der Bahn internationale Bedeutung zukam.So galt es vor allem die Steigungsverhältnisse zwischen 10 und 18 ‰ zu klären. Als vorteilhaftestes Steigungsverhältnis stellt sich 12 ‰ heraus. Der Projektverfasser veranschlagte die Kosten für den Bahnbau zwischen Kaiseraugst und Brugg bei doppelspurigem Ausbau auf 22,5 Millionen Franken.

Als grösstes Einzelobjekt galt es den Bözberg mit einem Tunnel von 2526 Metern Länge zu durchörtern. Auch der Bahndamm zwischen Frick und Ueken ins Staffeleggtal hatte es in sich. Ursprünglich war hier eine Eisenbrücke geplant. Sie hatte jedoch das Nachsehen gegenüber einem Damm. Dieser stellte sich jedoch als sehr unruhig heraus. Reperaturarbeiten waren die Folge. Weiter waren Stationsgebäude und Güterschuppen zwischen Kaiseraugst und Brugg zu bauen.

Im Jahr 1875, genauer am 31. Juli 1875, wurde die Bözbergbahn feierlich eröffnet. Eine grosse Gästeschar traf sich im Kursaal Baden.

 

Ziegel und Ziegeleien

Quellen: Frick – Gestern und Heute 1994

                aare – Fundort Schweiz / Die Römerzeit

               Eigenes Wissen (Christian Scholer)

 

In der näheren und weiteren Umgebung Fricks finden wir verschiedene Artefakten des gebrannten Tons. So auf dem Wittnauerhorn, in der Umgebung des Bönisteins in Zeiningen/AG oder auf dem Burgenrain in Sissach /BL.

Nach der Schlacht bei Bibracte 58 v. Chr. zwischen den Römern und den Helvetiern gemeinsam mit den Raurachern, eroberten die siegreichen Heerscharen Roms das Gebiet der heutigen Schweiz. Städtegründungen wie beispielsweise Vindonissa (das heutige Windisch) oder Augusta Rauracorum (Augst/Kaiseraugst) folgten. Anfänglich waren die Häuser der Römer einfach gebaut. Bald wurden sie auch durch Villen ersetzt und ein grosser Bedarf an Ziegeln, Fliessen, Backsteinen und Holsteine für ihre Hypokaust-Heizungen aber auch für Wasserleitungen und Ähnlichem setzte ein. Selbst die römischen Legionen gründeten Ziegeleien und halfen, anfänglich zu ihrer Selbstversorgung, diesen Bedarf zu decken.

Der Niedergang von Augusta Rauracorum war nicht nur dem Einfall des germanischen Stammes der Allemannen in die römische Provinz geschuldet. Experten vermuten, dass ein Erdbeben im 3. Jhd. das seine Beitrug.

Im Mittelalter, nach dem Niedergang des römischen Reiches, ging der Bedarf an Ziegeleiprodukten zurück. Nur repräsentative Gebäude in den Städten oder Burgen, Kirchen und Klöster wurden massiv gebaut. Nicht nur mit der Vorschrift aus Gründen des Feuerschutzes die Häuser mit Tonziegeln statt mit Stroh oder Holzschindeln einzudecken, weckte den Bedarf an gebrannter Tonware.

Das Fricktal liegt zum überwiegenden Teil im Tafeljura der im Gegensatz zum anschliessenden Faltenjura bei dessen Bildung nicht beteiligt war. Gute geologische Voraussetzungen für Ziegeleien im Fricktal! Als Rohstoffe sind zu nennen Keupermergel, Opalinustone, Glimmersande und Gehängelehme. Obwohl für die Gegend von Frick kaum vergleichbare Nachweise vorliegen (Stand 1994), darf vermutet werden, dass auch die hiesigen Lehmvorkommen bereits sehr früh genutzt wurden. Bis ins 19. Jahrhundert kann in der Gegend die Existenz von kleineren Handziegeleien, die häufig bei den Lehmvorkommen errichtet wurden, nachgewiesen werde.

Bis ins 20.Jahrhundert wurde der Lehm für die Ziegel von Hand gestochen. Im Zuge der Mechanisierung erfolgte auch rasch die Ablösung der alten Abbaumethoden durch Maschinen wie Bagger oder Trax, was auch den Abbau harter, felsartiger Schichten ermöglichte. Je nach gewünschter Eigenschaft des fertigen Tonproduktes wurde das Rohmaterial gemischt.

Das Gebäude der Ziegelei mit ihrer Seilbahn (Lohrenbahn) von der Grube in der „Chäsleten“ zum Tonwerk beim Bahnhof gehörten und gehören zum Dorfbild von Frick.

Fricks „eiserne“ Vergangenheit

Quellen:
-Frick – Gestern und Heute 2014

-VBH – Erzbergwerk im Fricktal

-Eigenes Wissen (Christian Scholer)

 

In seiner im Auftrag der Gemeinde Frick 1989 verfassten Studie zur Bedeutung des FrickerOrtsnamens leitet Prof. Sonderegger „Frick“ vom römisch-lateinischen „Ferraricia“ ab. In diesem Namen stecke „ferrum“ das lateinische Wort für Eisen. 

Der älteste schriftliche Hinweis auf einen Eisenerz-Bergbau im Fricktal stammt aus dem Jahr 1207. Das Hauptabbaugebiet lag bei Wölflinswil, wo östlich und nordöstlich des Dorfes spätestens seit dem Hochmittelalter bis ins 18. Jahrhundert, Eisenooloith abgebaut wurde. Kleinere Gruben befanden sich zudem bei Herznach und Ueken. Einen letzten Höhepunkt erreichte der Bergbau mit dem Betrieb des Bergwerks Herznach von 1937 bis 1967.

Ursprünglich verhüttete man das Erz in der Nähe der Erzgruben. Als Transportmittel zu den Schmelzöfen wurden, so die gängige Ansicht, sogenannte „Karretten“ von Rindern oder Pferden gezogen. Sie hatten ein Fassungsvermögen von 600 bis 7oo kg Erz.  Das Erz musste aufgeschmolzen werden und nebst dem rohen Eisen fiel auch Schlacke an. Wasserräder trieben die Blasbälge der Schmelzöfen, Bläjen genannt, an. So befanden sich die Eisenhütten meist an Bächen. In mehreren Dörfern der Umgebung der Erzgruben standen kleinere und grössere Blajen. Zum Aufschmelzen der Erzknollen benötigte man viel Energie und dezimierte den Wald rigoros, bis sich der Holschlag nicht mehr lohnte. Die Leute waren gezwungen in Richtung Laufenburg das Erz zu verkaufen. Das Holz für die Bläjen wurde in den Wäldern des Hotzenwaldes geschlagen.

Mit der Eröffnung des Herznacher Erzbergwerkes 1937 wurde Frick – wohl zum letzten Mal – Durchgangs- und Verladeort  für Eisenerz. Anfänglich bis Mitte 1942 brachten Lastwagen das Erz zum Fricker Bahnhof, wo es mit grossem Gerumpel in die Bahnwagen geschüttet und mit dem Schiff ins Ruhrgebiet Deutschlands gefahren wurde. Grosse Teile der Fricker Bevölkerung akzeptierte den Lärm und die Ausdehnung der Verladezeiten am Bahnhof – wie an der Gemeindeversammlung von 1939 berichtet – nicht.

Auf diese Weise gelangten 475`000 Tonnen Erz nach Frick. Die Bevölkerung von Herznach und Ueken schätzten den Lastwagentransport als billiges Taxi. Ein Wink genügte und die Lastwagen, die ja so wie so zum Bahnhof fuhren, hielten an und nahmen die Wartenden mit. Das Problem mit der Lärmemission wurde mit dem Bau einer Erzseilbahn von Herznach über den Kornberg nach Frick wohl teuer gelöst. Die Anlage war jedoch von Störungen nicht gefeit. Die Grube in Herznach wurde 1967 eingestellt - zwei Betonmaste der ehemaligen Erzseilbahn am Abhang des Kornberges sind die stummen Zeugen.

 

Fricks Gewerbe

Quelle: Das Obe Fricktal von 1850 -1960, Ein Bildband.

Seite 51: „.. Schon 1857 war die Brauerei zum „Engel“ gegründet worden. Es folgten die Zichorienfabrik Marti (1872), die Bandwebestuhlfabrik Jakob Müller (1887), Marmorwerke Brack & Herzog (1894), die Buchdruckerei Fricker (1898), das Dachziegelwerk (1907), die Schuhfabrik Bally (1912), die Zementwaren-Kunststeinfabrik Studer (1924), die Möbelfabrik Ströbel (1933), die Stahlton AG (1945) und die Engelhard Industrien (1951)… Aus dem ehemaligen Bauerndorf wurde ein Industrieort. 1925 wurde die Dorfstrasse geteert, 1923 fuhr die Postkutsche letztmals über die Staffelegg, sie wurde durch den Autobus abgelöst…“

Chorndletekapelle Frick

Quelle: Chorndletekapelle Frick, Vom Bienenhaus zur Kapelle (Broschüre 2026)

Das Bienenhaus (heutige Kapelle) stand neben dem Bauernhaus der Familie Schmid westlich der katholischen Kirche. Beide Gebäude mussten wegen der Erweiterung des Friedhofes weichen. Das Bienenhaus wurde an den heutigen Standort versetzt und diente während der Heu- und Kirchenernte als Unterstand.

Erich Welter, damaliger Sakristan der röm.-kath. Kirche hat das Bienenhaus zur Kapelle umgestaltet. Im Mai 1996 segnete der damalige Fricker Pfarrer Franz-Xaver Süess die Chornletekapelle, in deren Zentrum eine Marienstatue aus Einsiedeln ist, feierlich ein. Der Oeschger Sakristan Hanspeter Schlienger und seine Frau Theres unterstützen Erich Welte beim Unterhalt der Kapelle und üben nach Weltes Tod deren Unterhalt bis heute aus.

Das Ehepaar Schlienger hat die Kapelle erweitert und saniert. An einem Eichenjoch, welches aus dem Oeschger Kirchturm stammt, hängt eine auf dem Flohmarkt erworbene Glocke, welche mit einem Seilzug geläutet werden kann. Der Innenraum wurde weiter ausgestaltet, unter anderem wurde ein „Chor“ angebaut, Glasfenster wurden eingesetzt und Schindeln wurden an den Aussenwänden angebracht. Die Statue des heiligen Bruder Klaus, eines grossen Marienverehrers, hat Hanspeter Schlienger selber von Hand geschnitzt. Im September 2012 wurde die Kapelle ach der Sanierung eingesegnet.

Durch eine Schenkung der Familie Guido Schmid, Gipf-Oberfrick, ist die röm.-kath. Kirchgemeinde Frick/ Gipf-Oberfrick seit 2026 Eigentümerin des Areals und der Kapelle.

Jährlich finden Mai -Andachten oder im Oktober Rosenkranzgebete an diesem schönen Ort des Gebetes statt.

Wallfahrten, Prozessionen und Bittgänge

Quelle: 300 Jahre Kirche Frick; Zeichen einer lebendigen Gemeinschaft von 1718 bis 2018

Äcker, Wiesen und Rebberge wurden durch zahlreiche Bittgänge von Ende April bis Anfang Oktober unter Gottes Schutz und Segen gestellt. Den Ernteeinbussen waren für die Bevölkerung existentiell. Aus dem 18. Jahrhundert ist bekannt, dass jährlich der erste Bittgang am 25. April – Festtag des Evangelisten Markus – stattfand. Sie führte nach Säckingen zum Grab des Heiligen Fridolins, Patron der Bauern. Im 19. Jahrhundert wurde der Fricker Bittgang nach Säckingen durch einen Bittgang zur Wendelinskapelle in Gipf-Oberfrick ersetzt.

Die Bannprozession fand am ersten Mai-Sonntag statt. Bereits in vorchristlicher Zeit gab es Umgänge über Felder, bei welchen Gottesbildern mitgetragen worden waren. Das Erflehen der Fruchtbarkeit war tief im Volk verwurzelt. Wie in den meisten katholischen Orten, fanden auch in Frick in den drei Tagen vor Auffahrt Bittgänge statt. Montags führte der Bittgang nach Hornussen, dienstags nach Oeschgen und mittwochs hielt man eine kleine Prozession bei der Kirche. Heute findet in Frick noch ein Bittgang vor Auffahrt und die Fronleichnamsprozession statt.

Auch Wallfahrten gehörten zum christlichen Leben. Für die Fricker wurde 1778 festgehalten, dass sie jährlich zu den Marienheiligtümern in Todtmoos (diese Wallfahrt soll schon seit 100 Jahren bestanden haben) und zu Maria im Buchs bei Wyhlen zu wallfahren haben. Alle Wallfahrten mit Übernachtung, u.a. auch jene nach Todtmoos, untersagte Kaiserin Maria Theresia. Ihr Entscheid beruhte auf sittlichen und wirtschaftlichen Überlegungen. Die Menschen sollten Arbeiten und beim Übernachten keine unsittlichen Erfahrungen machen. Auch der junge Kanton Aargau übernahm dieses österreichische Gesetzt. Doch diesem widersetzten sich beispielweise 1810 rund 950 Gläubige, welche aus der Region Frick nach Todtmoos pilgerten. Von den zahlreichen Wallfahrten von Fricktaler Pfarreien nach Todtmoos besteht heute nur noch jene der Pfarrei Hornussen, an welcher jährlich auf Gläubige aus zahlreichen Dörfern der Region teilnehmen. Sie findet jeweils am Montag und Dienstag vor Pfingsten statt.

Brun­nen 13 — Durst

Vom Dorfbrunnen zum Trinkwassernetz

Der Brunnen an der Hauptstrasse im Oberdorf erinnert an eine Zeit, in der Wasser nicht einfach aus dem Hahn kam. Wer Wasser brauchte, ging zum Brunnen. Hier wurde geschöpft, getränkt, gespült, gewaschen, geredet und gewartet. Der Dorfbrunnen war nicht nur eine technische Einrichtung, sondern ein Ort des Alltags. Er stillte Durst — den Durst von Menschen, Tieren und Haushalten.

In früheren Jahrhunderten war die Wasserversorgung vieler Dörfer auf Quellen, Bäche, Sodbrunnen und Laufbrunnen angewiesen. Auch in Frick gehörten Brunnen selbstverständlich zum Dorfbild. Sie standen an wichtigen Wegen, Plätzen und in den Dorfteilen. Der Brunnen im Oberdorf war Teil dieses Netzes von Wasserstellen, die das Leben im Dorf überhaupt erst ermöglichten. Heute nehmen wir Brunnen oft als Schmuck, historisches Zeichen oder Treffpunkt wahr. Früher waren sie lebensnotwendig.

Brunnen brauchten Pflege und klare Regeln. Das Wasser musste sauber bleiben und für Menschen, Tiere, Haushalt und Gewerbe reichen. Darum war Wasserversorgung immer auch eine gemeinschaftliche Aufgabe. Ein Brunnen gehörte nicht nur jemandem allein; er war Teil des Dorflebens. Wer Wasser schöpfte, begegnete anderen. Nachrichten wurden ausgetauscht, Arbeiten koordiniert, Alltag geteilt.

Mit dem 19. und 20. Jahrhundert veränderte sich die Wasserversorgung grundlegend. Zentrale Leitungsnetze, Reservoire, Pumpwerke und später Hydranten machten Wasser immer verfügbarer. Ein wichtiger Grund war nicht nur der Wunsch nach mehr Komfort, sondern auch der Brandschutz. Genügend Wasser musste im Ernstfall rasch bereitstehen. Nach und nach kam das Wasser in die Häuser. Küchen, Waschplätze und später Badezimmer wurden angeschlossen. Was heute selbstverständlich wirkt — sauberes Wasser jederzeit direkt im Haus — ist historisch gesehen eine vergleichsweise junge Errungenschaft.

Damit veränderte sich auch die Rolle der Dorfbrunnen. Sie verloren ihre Bedeutung als wichtigste Quelle für den täglichen Wasserbedarf. Aus lebensnotwendigen Versorgungsorten wurden Erinnerungsorte. Trotzdem erzählen sie bis heute von einer grundlegenden Wahrheit: Wasser ist nicht selbstverständlich. Es braucht Quellen, Leitungen, Pflege, Kontrolle und Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Das Thema Durst führt deshalb über das Wasser hinaus. Durst zeigt, dass uns etwas fehlt. Er macht aufmerksam auf das, was lebensnotwendig ist. Der Brunnen im Oberdorf erinnert an den Durst nach Wasser, aber auch an den Durst nach Sicherheit, Verlässlichkeit und Gemeinschaft.

Wasser fliesst heute meist verborgen durch Leitungen. Die Brunnen im Dorf machen sichtbar, was uns trägt: Quellen, die nicht versiegen sollen — und eine Gemeinschaft, die dafür Sorge trägt.