Pfarreiseelsorger Martin Linzmeier stellte am Anfang die Frage in den Raum: Jazz-Musik und die Passionsgeschichte – wie passt das zusammen? Daran zweifelte zunächst auch der kanadische Jazzpianist Oscar Peterson, bevor er sich 1984 an die Vertonung wagte. Er kam zur Erkenntnis: Es passt – wenn man die Passion von Ostern herdenkt! Daher bekam das Stück auch den Titel „Easter-Suite“ und endet in einem fulminanten Osterjubel, der mit jazziger Leichtigkeit und Energie in Szene gesetzt wird. „Es ist, als würde der Grabstein weggeschnipst.“ – so einer der Musiker im Nachgespräch.
Doch bis es zu diesem musikalischen Happy Ende kommt, wird die Passion (Texte: Martin Linzmeier und Denise Müller) mit aller Ernsthaftigkeit und Tiefe durchschritten. Dabei werfen die vielfarbigen Rhythmen, Melodien und Harmonien ein ungewohntes und theologisch erhellendes Licht auf die bekannte Geschichte. Zweimal erklingt musikalisch ein ähnliches Klagelied – einmal in Bezug auf den Verrat des Judas und am Ende in der Vertonung der Frage: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Brillant und innig gespielt von Bernd Schäfer am Piano. Der Schlagzeuger Dionys Müller, der in vielen Sätzen mit leisen Tönen zaubert, zeigt in der Szene der Verurteilung mit militärischem Trommeln die unerbittliche und brutale Entschiedenheit der Widersacher Jesu. Martin Wyss am Kontrabass entlockt seinem Instrument die ganze Palette gezupfter und gestrichener Klänge und illustriert das langsame Sterben Jesu. Eine tröstlich bergende Note bekommt die Grablegung Jesu durch ihre Vertonung in einem verhalten-zärtlichen langsamen Walzer – wie mit einem Wiegenlied wird er zur Ruhe gebettet.
Da kann man eine Stecknadel fallen hören, so still ist es in der Kirche. Während schliesslich zur österlichen Freudenexplosion Bewegung kommt in die Zuhörerinnen: Da zucken Füsse, klopfen Hände, nicken Köpfe im Rhythmus, und zum Schlussapplaus reisst es alle von den Sitzen. Auch eine Art Auferstehungsliturgie.
